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01Kultur

Trinkverbot im Stadion: Ein Hoch auf die Durststrecke

Die DFL und UEFA haben klargemacht: Trinkpausen für Fußballfans in Deutschland fallen aus. Ein Kommentar zur kuriosen Situation.

Julia Richter17. Juli 20263 Min. Lesezeit

In einem angespannten Moment, als die Menge im Stadion tobt und die Luft vor Aufregung vibriert, nimmt ein Ordner ein paar unmissverständliche Gesten vor. Ein leises Raunen durchzieht die Reihen. Trinkpause? Nicht heute, sagen die DFL und UEFA mit Nachdruck. Der Schiedsrichter ist zur Stelle; die Entscheidung steht fest. Das einzige, was die Fans in der ersten Halbzeit erleben werden, ist der schmerzhafte Spagat zwischen Durst und dem unaufhörlichen Verlangen nach einem Tor.

Von der Erfrischung zur Erstickung

Wie uns die Behörden immer wieder vor Augen führen, gibt es viele Dinge, die im Fußball tabu sind. Das Trinken während des Spiels ist nun offenbar eine dieser Teufelsbeschwörungen. Der rationale Grund hinter dieser Entscheidung? Sicherheit und Ordnung. Ein steter Durst und feucht-fröhliche Anhänger könnten in der Hitze des Augenblicks auf die Idee kommen, mehr als nur das Spielgeschehen zu feiern.

Die UEFA bringt zur Sprache, dass es um die Minimierung von Störungen geht. In der Saisonvorbereitung wurde diese Maßnahme ins Leben gerufen, um den Anstieg von Trinkvorfällen zu stoppen, die, so die Argumentation, immer wieder zu Auseinandersetzungen führen. Also, während einige Mannschaften auf dem Platz an Wettkampfgeist gewinnen, verlieren die Fans ihre Möglichkeit, sich mit einem kühlen Getränk zu erfrischen. Fast schon poetisch, wenn man bedenkt, dass das Spiel selbst kaum ohne ein Bier in der Hand vorstellbar ist.

Der Markt für Durstlöscher: Ein paradoxer Zustand

Erstaunlicherweise blüht der Markt für Durstlöscher außerhalb der Stadien. Während in den Arenen das Verbot herrscht, zeigt sich in den angrenzenden Biergärten und Imbissen ein blühendes Geschäft. Die Fußballkultur ist bekannt für ihre schillernden Feste, doch die Regulierungswut scheint uns an einen Punkt gebracht zu haben, an dem man sich fragt: Wer oder was wird hier wirklich geschützt?

Die Gemütlichkeit der Fans wird unnötig beschnitten, während parallel die Verkäufe von alkoholhaltigen Getränken im Umfeld florieren. Man könnte fast das Bild eines verzweifelten Schülers zeichnen, der bei der Schuldenaufnahme nach dem Unterricht nie zu kurz kam, während ihm der Zugang zur Cafeteria verwehrt bleibt.

Ein Blick über den Tellerrand

Vergleicht man die Situation in Deutschland mit anderen Ländern Europas, wird das Absurditätslevel auf die nächste Stufe gehoben. In vielen Stadien, insbesondere im Süden, können Fans sogar während des Spiels in beruhigender Gesellschaft eines Bieres genießen. Währenddessen werden die deutschen Anhänger quasi zum Verdursten verurteilt.

Ist die deutsche Fußballkultur so verwundbar, dass sie vor einem Schwall von verletzten Gefühlen geschützt werden muss, oder ist es eine übertriebene Maßnahme, die mehr Fragen als Antworten aufwirft? Es scheint fast so, als ob die UEFA, in einem Anflug von übertriebener Vorsicht, die Grundfreiheiten der Fans in den Schatten stellt, während sie gleichzeitig behauptet, die Ordnung aufrechterhalten zu wollen.

Ein Phänomen, das sich als skurril erweist, ist die Tatsache, dass das Verbot von Trinkpausen niemals die internationalen Standards für Fan-Verhalten erreichen wird. So wird uns ein weiterer Beweis dafür geliefert, dass die Regulierungswut nicht nur den Fußball, sondern auch die Freude daran einschränkt. Wenn die UEFA und DFL die Fans in Deutschland für eine Art unberechenbares Element halten, wo bleibt dann der Spaß im Spiel? Schlüpfen wir zurück in unsere Getränkekästen, um den Durst zu stillen? Oder ist es an der Zeit, dass die Fußballfans für ihr Recht kämpfen, auch im Stadion den Durst zu stillen?

Die nächste Saison wird zeigen, ob diese Regelung Bestand haben wird oder ob es nur ein weiteres kurzes Kapitel in der bereits langen Liste der Fußballabsurditäten bleibt. Eine lockere und erfrischende Getränkeauswahl während eines Spiels könnte möglicherweise die einzige Lösung sein, die die Fans in eine Welt führt, in der sie nicht nur begreifen, dass sie auf ihre Trinksprüche verzichten müssen, sondern auch auf ihr sonst so geschätztes Fußballerlebnis.

Der Durst bleibt, die Theorie auch – der einzige Unterschied ist, nun wird die Spannung auch durch körperliches Verlangen verstärkt. Lernen wir also, in diesem neuen Stadion-Zeitalter zu leben, wo Wasser in der Flasche bleibt – bis zum Abpfiff.

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